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Inflation fällt auf Höchstwert!

Der November zeigt den Irrsinn der Inflationsdebatte. Ein genauer Blick auf die Statistik hilft gegen Inflationspanik.

Es ist wieder so weit. Das Statistische Bundesamt hat die Inflationsrate für November verkündet. Eine Meldung, auf die die Crashpropheten dieser Welt mit Vorfreude warteten, warnen sie doch seit Jahren vor der Hyperinflation. Vorfreude, um die eigene Panikmache nach Jahren niedriger Inflation bestätigt zu bekommen. Das Statistische Bundesamt meldet:

Inflationsrate im November 2021 bei +5,2 %. Inflationsrate erreicht damit den bisher höchsten Wert im Jahr 2021.

Im Oktober lagen wir noch bei 4,5 %. Ist jetzt alles noch teurer geworden? Nein. Das lässt sich aus dem Anstieg der Inflationsrate von 4,5 % auf 5,2 % gar nicht ablesen – wird in den Medien häufig falsch interpretiert. Denn die 5,2 % Inflationsrate beziehen sich nicht auf den Vormonat (Oktober ‘21), sondern auf den Vorjahresmonat (November ‘20). Das ist eine wichtige Unterscheidung. Denn im Vergleich zum Vormonat ist die Inflationsrate sogar um -0,2 % gefallen. Das sieht man unten an der blauen Linie, die einen kleinen Knick nach unten macht und das schreibt auch die Statistische Bundesamt in der Pressemitteilung. Die Preise im November diesen Jahres sind 0,2 % günstigerals im Oktober diesen Jahres, aber 5,2 % teurer als im November letzten Jahres.

Maurice Höfgen

Maurice ist Ökonom und Betriebswirt. Derzeit ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Finanzpolitik im Bundestag tätig. Er ist Vertreter der Modern Monetary Theory und hat 2020 das Buch »Mythos Geldknappheit« veröffentlicht. Regelmäßig veröffentlicht er informative Videos zu ökonomischen Themen auf seinem YouTube-Kanal »Geld für die Welt«.

Um zu verstehen, wieso die Preise fallen können, aber die Inflationsrate steigt, muss man ein Jahr zurückblicken. Was war im November 2020 los? Damals hatten wir Deflation! Von Oktober zum November letzten Jahres sind die Preise um 0,8 % gefallen. Wenn man jetzt November 2021 zu November 2020 vergleicht, sind die Preise zum Vormonat im letzten Jahr einfach stärker gefallen als dieses Jahr. Dadurch steigt die Inflationsrate im Jahresvergleich, obwohl die Preise gefallen sind. Korrekt wäre also eigentlich: Inflationsrate fällt von 4,5 % auf 5,2 %.

Bald ist der Inflationsspuk vorbei

Im Dezember wird die Inflationsrate noch einmal hoch ausfallen, danach wird das Inflationsgespenst wohl verschwinden. Warum? Weil die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer und die historisch tiefen Energiepreise aus 2020 die Statistik dann nicht mehr verzerren. In der Grafik oben sieht man an der roten Linie, dass die Energiepreise von Tiefständen in neue Höhen geschossen sind. Die Grafik unterhalb zeigt den Mehrwertsteuereffekt. Im Juli 2020 wurde die Mehrwertsteuer für ein halbes Jahr gesenkt, um die Wirtschaft anzuschieben. Dadurch ist die Inflationsrate ad hoc gefallen. Wir hatten dann 6 Monate Deflation. Im Januar 2021 wurde die Steuer erhöht, deshalb sind die Preise ad hoc angestiegen. Seit Juli diesen Jahres werden die aktuellen Preise mit höherer Mehrwertsteuer mit den Preisen des letzten Jahres mit verringerter Mehrwertsteuer verglichen. Man könnte auch sagen: Äpfel mit Birnen. Die Mehrwertsteuer verzerrt das Bild.

Take away: Es lohnt sich, genauer auf die Inflationsstatistik zu schauen, um Panikmachern und Crashpropheten nicht auf den Leim zu gehen. Ich empfehle dazu auch den hervorragenden Spiegel-Artikel von Thomas Fricke: “Es kommen schlechte Zeiten für Inflations-Hypochonder”.

Dieser Beitrag erschien zuerst in dem Newsletter Geld für die Welt.